
Bei meinem letzten Urlaub, Anfang Juli, in Oberbayern hörte ich von einem Gewässer welches sehr fischreich sein soll. Nach kurzer Recherche und Nachfrage, erreichten meine Guides vom Pächter des Gewässers die Erlaubnis, und ermöglichten es mir, dort zu fischen.
Von meinem Urlaubsquartier war es nur eine kurze Anfahrt mit dem Auto zum besagten Gewässer (den Namen des Gewässers möchte ich aus bestimmten Gründen nicht nennen).
Als der Fahrer anhielt und zum Aussteigen aufforderte, fiel mir als erstes ein Schild in die Augen, welches über Verhaltensregeln am Gewässer informierte.
Da ich von den Guides erfahren hatte, daß es sich lediglich um einen kleinen Bach handeln sollte, machte mich dieses Schild schon etwas stutzig.

Als ich dann meine Wathose anziehen wollte und mir gesagt wurde, daß sich diese für das Fischen an diesem Ort nicht eignete, war ich schon stärker beunruhigt.
So erhielt ich dann von einem der Guides ein paar Watstiefel, die sich auf Grund der Gummisohlen besser für das Fischen in der Klamm geeignet sein sollten. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt geahnt was mich erwarten würde, so wären gute Bergstiefel wohl die bessere Wahl gewesen. Nach kurzem, aber steilen Fußweg bergab durch den Wald, erreichten wir das untere Ende der Klamm.
Die Züge, die der Bach dort bildete sahen schon sehr vielversprechend aus und ich konnte kaum erwarten, meine Fliege den erwarteten Fischen zu präsentieren.
Nahe einer Felswand viel mir sofort ein tiefer Gumpen auf, indem, meiner Meinung nach, ein Fisch stehen mußte. Je näher ich dem Bach kam desto mehr "gute Züge" erkannte ich und ich wurde immer unentschlossener, welchen ich denn zu Beginn befischen sollte.
Da alles leicht zu erreichen war, viel meine Wahl auf einen ca. 2m tiefen Zug, der sich an einem Fels entlang zog. Ich knüpfte meine Nymphe an das Vorfach und begann zu fischen.

Unterdessen kundeten meine Guides die weitere Klamm nach weiteren guten Standplätzen aus.
Die Fischerei im ersten Zug brachten mir eine Bachforelle von 15cm und eine Regenbogenforelle von 25cm ein. Ein guter Start!
Weitere Versuche in den Rinnen, welche ich bis zu diesem Zeitpunkt gesehen hatte brachten leider keine weiteren Fische und wir beschlossen den Standort zu wechseln.
Als wir flußaufwärts weiter gingen begann das Fischen zur Arbeit zu werden. Hinter dem ersten größeren Fels, änderte sich der kiesige, flache Bach sein Aussehen dramatisch. Aus den Zügen wurde ein ruhig fließender, fast stehender Bachlauf mit ca. 4m Tiefe. Der Kies änderte sich zu Felsen, die den Bach von allen Seiten begrenzten. Schmale Rinnen mit einer Breite von 60cm - 1m wechselten mit großen und tiefen Gumpen von 7 - 8m Durchmesser. Der einzige Nachteil bestand darin, daß die Wasseroberfläche an den meisten Stellen nicht erreichbar war und das das Fischen nur von den Felsen herab möglich war, die sich zwischen 2 und 6m über dem Wasser befanden.

Dieses Fischen stellte für mich ein völlig neue Erfahrung dar. Anvisierte Stellen, die ich anwerfen wollte, traf ich nur selten. Entweder war der Wurf zu weit und erreichte die gegenüberliegenden Felsen mit Leichtigkeit oder der Wurf war zu kurz, weil ich die Höhe des Wurfplatzes nicht mit berechnet hatte. Dieses hatte zur Folge, daß ich am Anfang meistens 2 - 3 Würfe benötigte um die gewünschte Stelle zu erreichen.
Dieses Unvermögen bemerken auch die Fische, die sich in den jeweiligen Gewässerabschnitt aufhielten. Bei jeder Fliege welche beim ersten Wurf auf das Wasser traf, erfolgte sofort eine Reaktion seitens der Fische. Teilweise wurde die Fliege so schnell und heftig attackiert, daß meine Reaktion leider zu langsam war, weil ich die "falsche Stelle" angeworfen hatte und ich wie versteinert zusah, wie der Fisch die Fliege wieder ausspuckte. Wie gesagt, erfolgte der Angriff immer beim 1. Wurf. Jeder weitere Versuch den Fisch nochmals zum Zubeißen zu überreden, wurde permanent seitens der Fische ignoriert. Diese beschränkten sich lediglich darauf, sich der Fliege langsam zu nähern, diese genau zu betrachten und dann angewidert abzutauchen bzw. die Fliege unter Einhaltung eines Sicherheitsabstandes oberflächennah zu umkreisen.
Dieser Umstand hatte zur Folge, daß auch ich die Fische sehen konnte, welche ich dann nicht gefangen habe. Bachsaiblinge und Bachforellen nahe der 50cm Grenze und darüber kamen zum Vorschein und gaben mir einen gewissen Anlaß zum Ärger.
Der weitere Weg durch die Klamm gestaltete sich schwierig. Geröllfelder und schmale Trampelpfade nahe des "Abgrundes" mußten überquert und begangen werden. Fischträchtige Stellen waren nur noch durch eine gewisse Kletterfähigkeit erreichbar und erwiesen sich dann doch nicht als fruchtbar.
Kurzum waren wir nach 4 Stunden alpinen Fliegenfischens ein wenig geschlaucht und begaben uns zu unserem Auto um weiter entfernt liegende Stellen des Baches bzw. der Klamm zu erreichen und nebenbei eine Brotzeit einzulegen.
Nachdem wir uns mit bayerischem Nationalgetränk, Semmeln und Würsten gestärkt hatten, fuhren wir ein Stück weiter flußauf und probierten hier, ob wir noch ein paar Fische überlisten konnten.

Der Bach zeigte hier, am oberen Teil der Klamm wieder ein neues Gesicht. Der Bachlauf war kiesig und durch eine schmale Schlucht begrenzt. Das Wasser, im Gegensatz zum unteren Teil, wo es dunkel war, hellgrün und glasklar. Bewatbar war der Bach jedoch auch hier nicht, da sich ein tiefer Gumpen an den anderen anschloß. Auch sah ich an diesem Teil des Baches zum ersten mal durch das Wasser ausgespülte "Felshöhlen", die sich als gute Fischstandplätze erweisen.
Hier fingen wir die ersten größeren Fische. Bachforellen von 45 und 40cm, sowie einige kleinere Bach- und Regenbogenforellen landeten erst an unseren Fliegen und dann wieder in der Freiheit.
Zum Abschluß versuchten wir unser Glück noch am "Stausee", der sich vor einer Geschiebesperre gebildet hatte und durch die vorhergegangenen Regenfälle gut gefüllt war. Da der Erfolg ausblieb und sich die Temperatur der 30 Grad Grenze näherte, beschlossen wir, den Angeltag zu beschließen und die Heimreise anzutreten.
Ein Resumè zu ziehen fällt mir schwer. Ich habe viel Neues im Bezug auf das Fliegenfischen gelernt; sei es über das Verhalten der Fische oder über Wurfweiten. Außerdem stellte diese extreme Art des Fliegenfischens im Bezug auf die Bewältigung von natürlichen Hindernissen eine völlig neue Erfahrung für mich dar und machte den Tag zu einem unvergeßlichen Erlebnis.
Ich möchte an dieser Stelle Herrn S. und meinen Guides danken, die es mir ermöglicht haben, an einem solchen Gewässer zu fischen und mir als "Flachlandtiroler" über die Unwegsamkeiten des Geländes oft hinüberhalfen.

